Leitfaden zu ATEX-zertifizierten Magnetventilen für die chemische Industrie

ATEX-Magnetventile nach Zone, Kategorie, EPL, Gas- oder Staubgruppe, Temperaturkennzeichnung, Zündschutzart, Zertifikat und Chemikalienbeständigkeit auswählen.

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David Li, leitender technischer Berater, Bepto Pneumatik

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David Li

leitender technischer Berater

Ich bin David, leitender technischer Berater bei Bepto Pneumatik. Ich unterstütze die Prüfung von Pneumatik-Anforderungen, Komponentenanwendungen und technischen Details vor der Angebotserstellung.

Artikel des AutorsDavid@bepto.com

Ein ATEX-Magnetventil für eine Chemieanlage muss zum klassifizierten Bereich, zur Art der explosionsfähigen Atmosphäre, zur Gerätekategorie, zum Equipment Protection Level (EPL), zur Gas- oder Staubgruppe, zur Temperaturkennzeichnung, zum Umgebungstemperaturbereich, zur elektrischen Installation, zum Prozessmedium und zur Ventilfunktion passen. Eine pauschale Beschreibung als „explosionsgeschützte Spule“ reicht nicht aus.

Die Nachweise sind ebenso wichtig wie die Hardware. Vor der Freigabe müssen die exakte Produktkennzeichnung, die EU-Konformitätserklärung, gegebenenfalls Zertifikat und Anlagen dazu, die Installationsanleitung, besondere Verwendungsbedingungen sowie der Nachweis vorliegen, dass die angebotene Kombination aus Spule, Ventilkörper, Kabeleinführung, Steckverbinder, Dichtungssatz und Zubehör zulässig ist.

Die ATEX-Gerätekonformität betrifft Produkte, die gemäß Richtlinie 2014/34/EU auf dem Markt der Europäischen Union bereitgestellt werden. Der betriebliche Explosionsschutz betrifft die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers, die Zoneneinteilung, Schutzmaßnahmen und das Explosionsschutzdokument gemäß Richtlinie 1999/92/EG. Geräteanbieter und Anlagenbetreiber tragen daher unterschiedliche, aber miteinander verknüpfte Verantwortlichkeiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Den explosionsgefährdeten Bereich vor der Ventilauswahl klassifizieren.
  • Zone, Kategorie, EPL, Gruppe und Temperaturkennzeichnung aufeinander abstimmen.
  • Die vollständige Ventilkonfiguration prüfen, nicht nur die Spule.
  • Die chemische Beständigkeit getrennt vom Explosionsschutz bewerten.
  • Zertifikatsgerechte Vorgaben für Installation, Prüfung und Reparatur einhalten.

Was bedeuten ATEX, IECEx und IEC 60079?

Die Richtlinie 2014/34/EU gilt seit dem 20. April 2016 und erfasst Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen (Europäische Kommission, abgerufen am 11. Juli 2026). Sie legt EU-Produktanforderungen und Konformitätsbewertungsverfahren fest, nicht eine einzelne Konstruktionsnorm für Ventile.

ATEX wird häufig als Kurzbezeichnung für zwei getrennte EU-Rechtsrahmen verwendet:

  • Richtlinie 2014/34/EU, häufig ATEX-Produktrichtlinie genannt, gilt für Hersteller und andere Wirtschaftsakteure, die erfasste Produkte auf dem EU-Markt bereitstellen.
  • Richtlinie 1999/92/EG, mitunter als betriebliche ATEX-Richtlinie bezeichnet, verpflichtet Arbeitgeber, Explosionsrisiken zu beurteilen, gefährdete Bereiche in Zonen einzuteilen, Mindestschutzmaßnahmen umzusetzen und ein Explosionsschutzdokument zu führen.

IEC 60079 ist eine Normenreihe für explosionsgefährdete Bereiche. Ihre verschiedenen Teile behandeln allgemeine Geräteanforderungen, Zündschutzarten, die Einteilung gas- und staubexplosionsgefährdeter Bereiche, elektrische Installationen, Prüfungen, Instandhaltung, Reparaturen und weitere Spezialthemen.

IECEx ist ein internationales Konformitätsbewertungssystem auf Grundlage von IEC-Normen. Es kann ein IECEx Certificate of Conformity sowie zugehörige Prüf- und Qualitätsnachweise bereitstellen. Für Geräte, die auf dem EU-Markt bereitgestellt werden, ersetzt IECEx nicht die rechtlichen ATEX-Pflichten; umgekehrt erfüllen ATEX-Unterlagen nicht automatisch die Anforderungen jeder Rechtsordnung außerhalb der EU.

Bevor die Angabe „ATEX/IECEx verfügbar“ als vollständige Spezifikation akzeptiert wird, ist zu klären, welche Markt- und Installationsvorschriften gelten. Für eine Chemieanlage können zusätzlich nationale Elektrovorschriften, Brandschutzbestimmungen, Druckgerätevorschriften, Anforderungen der funktionalen Sicherheit und werksinterne Engineering-Standards gelten.

Mit der Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche beginnen

Die Richtlinie 1999/92/EG verpflichtet den Arbeitgeber, Bereiche, in denen explosionsfähige Atmosphären auftreten können, zu klassifizieren und das Explosionsschutzdokument aktuell zu halten (EUR-Lex, abgerufen am 11. Juli 2026). Ein Ventilanbieter muss diese Klassifizierung als Vorgabe verwenden und darf keine willkürlichen Zonenabstände aus einem Produktkatalog ableiten.

Für Gase, Dämpfe und Nebel:

Zone am Arbeitsplatz Auftreten explosionsfähiger Atmosphäre Typische ATEX-Gerätekategorie Typisches EPL
Zone 0 Ständig, über lange Zeiträume oder häufig 1G Ga
Zone 1 Bei Normalbetrieb gelegentlich wahrscheinlich 2G oder 1G Gb oder Ga
Zone 2 Bei Normalbetrieb unwahrscheinlich oder nur kurzzeitig 3G, 2G oder 1G Gc, Gb oder Ga

Für brennbaren Staub:

Zone am Arbeitsplatz Auftreten explosionsfähiger Atmosphäre Typische ATEX-Gerätekategorie Typisches EPL
Zone 20 Ständig, über lange Zeiträume oder häufig 1D Da
Zone 21 Bei Normalbetrieb gelegentlich wahrscheinlich 2D oder 1D Db oder Da
Zone 22 Bei Normalbetrieb unwahrscheinlich oder nur kurzzeitig 3D, 2D oder 1D Dc, Db oder Da

Diese Zuordnungen sind Ausgangspunkte für die Auswahl und kein Ersatz für den Zoneneinteilungsbericht der Anlage. IEC 60079-10-1:2020 behandelt die Einteilung von Bereichen, in denen Gefährdungen durch brennbare Gase oder Dämpfe auftreten können, und unterstützt Auslegung, Betrieb und Instandhaltung von Geräten für explosionsgefährdete Bereiche (IEC, 2020; abgerufen am 11. Juli 2026).

Die räumliche Ausdehnung einer Zone hängt von Freisetzungsquelle und -rate, Lüftung, Stoffeigenschaften, Prozessdruck, Temperatur, Öffnungen, Vertiefungen und Geometrie der Umhausung ab. Eine Aussage wie „Zone 1 reicht drei Meter weit“ lässt sich nicht von einer Anlage auf eine andere übertragen.

Für eine Magnetventil-Anfrage sind Zonenplan, Gas- oder Staubdaten, Umgebungstemperaturbereich, Innen- oder Außenaufstellung, Lüftungsannahmen und mögliche Einschränkungen des Gerätestandorts bereitzustellen. Ohne diese Angaben kann ein Anbieter verfügbare Kennzeichnungen bestätigen, nicht jedoch die Eignung für die konkrete Installation.

Wie wird die ATEX-Kennzeichnung eines Ventils gelesen?

Die Richtlinie 2014/34/EU verlangt eine eindeutige, an den Verwendungszweck gebundene Produktkennzeichnung. Zugleich muss die Anleitung des Herstellers alle für die sichere Verwendung erforderlichen Informationen enthalten (EUR-Lex, 2014; abgerufen am 11. Juli 2026). Lesen Sie die vollständige Kennzeichnungsfolge, statt nur nach dem Ex-Zeichen zu suchen.

Ein beispielhaftes Kennzeichen für Gasatmosphären lautet II 2G Ex db IIC T4 Gb:

  • II: Gerätegruppe für übertägige Bereiche außerhalb des Bergbaus
  • 2G: ATEX-Kategorie 2 für Gas-, Dampf- oder Nebelatmosphären
  • Ex: explosionsgeschütztes Gerät
  • db: Kennzeichnung der Schutzstufe für druckfeste Kapselung
  • IIC: Gasgruppe mit der höchsten Anforderung innerhalb der Folge IIA/IIB/IIC
  • T4: Temperaturklasse der maximalen Oberflächentemperatur unter den festgelegten Bedingungen
  • Gb: Equipment Protection Level für Gasatmosphären

Eine Staubkennzeichnung enthält andere Angaben, beispielsweise eine Staubgruppe und die maximale Oberflächentemperatur in Grad Celsius, statt sich allein auf eine Gas-Temperaturklasse zu stützen. Je nach Produkt kann außerdem die IP-Schutzart angegeben sein.

Die exakte Kennzeichnung muss vom Typenschild oder aus gelenkten Zertifikatsunterlagen übernommen werden. Sie darf niemals aus Werbeaussagen zusammengesetzt werden. Zusätzlich ist Folgendes zu prüfen:

  • Zertifikatsnummer und etwaige Endzeichen wie X oder U
  • Kennnummer der notifizierten Stelle, sofern erforderlich
  • Grenzen der Umgebungstemperatur
  • Elektrische Spannung, Stromstärke und Leistung
  • Einschaltdauer
  • IP-Schutzart
  • Grenzen der Prozesstemperatur
  • Anforderungen an Kabeleinführungen und Verschlusselemente
  • Besondere Installations- oder Verwendungsbedingungen

Das Endzeichen X einer Zertifikatsnummer weist auf besondere Bedingungen für die sichere Verwendung hin. Diese Bedingungen sind verbindliche Vorgaben für die Installation. Das Endzeichen U gehört zu einer Ex-Komponentenbescheinigung; eine Komponente ist nicht zwangsläufig als vollständiges Gerät für den eigenständigen Einbau zugelassen.

Wie beeinflussen Gasgruppe und Temperatur die Auswahl?

Gemäß Richtlinie 2014/34/EU müssen Geräte innerhalb der vom Hersteller festgelegten Betriebsgrenzen sicher bleiben. Dazu zählen Umwelteinflüsse, Temperatur, Verschmutzung, Schwingungen und aggressive Stoffe (EUR-Lex, abgerufen am 11. Juli 2026). Der Typenschildbereich muss die tatsächlichen Bedingungen der Chemieanlage abdecken.

Für Gasatmosphären sind der Stoff und die erforderliche Gruppe zu bestimmen:

  • IIA umfasst innerhalb des Gruppensystems repräsentative Gase mit geringeren Anforderungen.
  • IIB verlangt Geräte, die für eine anspruchsvollere Gruppe geeignet sind.
  • IIC stellt von IIA, IIB und IIC die höchsten Anforderungen.

Ein mit IIC gekennzeichnetes Gerät kann aus Sicht der Explosionsgruppe in der Regel auch IIB und IIA abdecken. Chemische Beständigkeit, Temperatur, Druck und Installationsbedingungen müssen dennoch gesondert bestätigt werden.

Die Temperaturklasse begrenzt die maximale Oberflächentemperatur des Geräts unter den zertifizierten Bedingungen. Die gewählte Klasse muss zu den Zündeigenschaften der explosionsfähigen Atmosphäre und zu dem nach der anwendbaren Auslegungsmethode erforderlichen Sicherheitsabstand passen.

Maximale Prozessmediumtemperatur, Umgebungstemperatur, Spulenerwärmung, maximale Geräteoberflächentemperatur, Zündtemperatur eines Gases und Zündkenngrößen von Staub dürfen nicht verwechselt werden.

Bei brennbarem Staub sind Staubgruppe, Schichtablagerungen, Reinigungskonzept, Gehäuseschutz und zulässige Oberflächentemperatur zu beurteilen. Ein für eine Gasinstallation der Zone 1 geeignetes Ventil ist nicht automatisch für eine Staubinstallation der Zone 21 geeignet.

Welche Zündschutzart eignet sich für ein Magnetventil?

Die aktuelle Reihe IEC 60079 enthält getrennte Normen für druckfeste Kapselung, erhöhte Sicherheit, Eigensicherheit, Vergusskapselung, Installation, Prüfung und Reparatur (IEC, abgerufen am 11. Juli 2026). Die Zündschutzart ist anhand des Zertifikats und der Systemauslegung auszuwählen, nicht anhand einer einzeiligen Präferenztabelle.

Druckfeste Kapselung

Ein druckfest gekapseltes Gehäuse ist so ausgelegt, dass eine Zündung im Inneren nicht über die zertifizierten zünddurchschlagsicheren Spalte auf die äußere explosionsfähige Atmosphäre übertragen wird. Bei der Installation müssen das zertifizierte Gehäuse, Gewinde, Fugen, Kabeleinführungen, Verschlusselemente, Befestigungsmittel und Temperaturbedingungen erhalten bleiben.

Kritische Fugen dürfen nicht spanend bearbeitet oder neu lackiert und Schrauben nicht eigenmächtig ersetzt werden. Ein unter Spannung stehendes Gehäuse darf in explosionsgefährdeter Atmosphäre nur geöffnet werden, wenn Anleitung und betriebliche Arbeitsanweisung dies ausdrücklich zulassen.

Eigensicherheit

Ein eigensicherer Stromkreis begrenzt die elektrische und thermische Energie so, dass unter den von seiner Schutzstufe erfassten Fehlerbedingungen keine Zündung erfolgt. Die Bewertung umfasst den gesamten Stromkreis, nicht nur die Spule.

Die sicherheitstechnischen Kennwerte des Magnetantriebs sind mit denen des zugehörigen Betriebsmittels oder galvanischen Trenners abzugleichen. Kabelkapazität und -induktivität, Erdungskonzept, Trennung, Steckverbinderanordnung und Ausgang der Steuerung sind einzubeziehen. Eine gewöhnliche Spule mit geringer Leistungsaufnahme ist nicht allein deshalb eigensicher.

Erhöhte Sicherheit

Die Zündschutzart erhöhte Sicherheit sieht zusätzliche Maßnahmen gegen Lichtbögen, Funken und unzulässig hohe Temperaturen bei Geräten vor, für die dieses Schutzprinzip geeignet ist. Die konkrete Magnetventilausführung und Kennzeichnung bestimmen, ob und wie sie eingesetzt werden darf. Die Werbeaussage „funkenfrei“ ist kein Nachweis für die Eignung nach Ex e.

Vergusskapselung

Bei der Vergusskapselung werden zündfähige Teile durch ein zertifiziertes Vergusssystem geschützt. Temperatur, Aushärtung, Vermeidung von Hohlräumen, Leitungseinführung, mechanischer Schutz und die zugelassene Baugruppe bleiben Bestandteile der zertifizierten Konstruktion. Eine beschädigte oder veränderte vergossene Spule darf nicht behelfsmäßig vor Ort repariert werden.

Manche Magnetbaugruppen kombinieren mehrere Zündschutzarten. Dokumentieren Sie die vollständige Kennzeichnung exakt und halten Sie die Anlagen zum Zertifikat ein. Ersetzen Sie sie nicht durch eine pauschale Bezeichnung wie „explosionsgeschützt“.

Ist das vollständige Magnetventil eine zugelassene Konfiguration?

Die Richtlinie 2014/34/EU definiert Geräte, Komponenten, Sicherheitsvorrichtungen und bestimmungsgemäße Verwendung getrennt. Daher ist die zertifizierte Produktgrenze entscheidend (EUR-Lex, 2014; abgerufen am 11. Juli 2026). Klären Sie, ob das Zertifikat die vollständige Ventilbaugruppe, die Spule oder eine andere Komponente abdeckt.

Bauteil Zu prüfende Angaben
Ventilmodell Exakte Baureihe, Anschlussgröße, Funktion, Druckbereich und Revision
Spulenmodell Spannung, Frequenz, Leistung, Einschaltdauer, Umgebungstemperaturbereich und Ex-Kennzeichnung
Steckverbinder oder Klemmenkasten Zugelassene Ausführung und Einbaulage
Kabelverschraubung Zündschutzart, Gewinde, Kabeldurchmesser, Gruppe, Temperatur und IP-Schutzart
Verschlussstopfen Zertifizierte Ausführung für ungenutzte Einführungen
Ventilkörper Werkstoff, Anschlussgewinde, Prozessmedium und Druck
Dichtungen Werkstoffmischung und chemische Beständigkeit
Handhilfsbetätigung Ob vorhanden, zulässig, verriegelbar oder eingeschränkt
Zubehör Gemäß Anleitung zulässige Schalldämpfer, Steuerungen, Ventilinseln und Montagesätze

Typische Dokumentationsmängel sind ein Zertifikat für eine ähnlich bezeichnete Baureihe, ein Spulenzertifikat ohne Nachweis für das montierte Ventil, ein Angebot ohne besondere Bedingungen oder eine Kabelverschraubung, deren Kennzeichnung nicht zum Gehäuse passt.

Steuert ein Ventil Druckluft statt des gefährlichen Prozessmediums, bleibt die Beständigkeit gegenüber der äußeren Atmosphäre relevant. Korrosive Dämpfe können Befestigungsmittel, Kabeleinführungen, Typenschilder, Beschichtungen und elektrische Dichtungen angreifen, selbst wenn im Inneren saubere Druckluft strömt.

Grundlagen zum Ventilaufbau erläutert Wie steuern pneumatische Magnetventile den Druckluftstrom?. Die ATEX-Bewertung folgt, nachdem die erforderliche Ventilfunktion feststeht.

Die chemische Beständigkeit bleibt eine eigenständige Prüfung

Die Richtlinie 2014/34/EU verlangt, dass Geräteteile bei bestimmungsgemäßer Verwendung vorhersehbaren aggressiven Stoffen standhalten, soweit dies relevant ist (EUR-Lex, abgerufen am 11. Juli 2026). Eine zulässige Ex-Kennzeichnung belegt nicht die Beständigkeit gegenüber jedem Lösungsmittel, jeder Säure, Lauge, jedem Reinigungsmittel oder Prozessgas.

Klären Sie, ob das Ventil saubere Instrumentenluft, Inertgas, Brenngas, Lösungsmitteldampf, flüssige Chemikalien, korrosive oder toxische Medien, Vakuum oder verunreinigte Abluft führt.

Prüfen Sie anschließend Ventilkörper, Sitz, Membran, Dichtungen, Federn, Kurzschlussringe, Schmierstoff und Gewindedichtmittel. Zu bestätigen sind Druck, Differenzdruck, Durchflussrichtung, Mindeststeuerdruck, Leckageanforderung, Viskosität, Mediumtemperatur und Sicherheitsstellung.

Ein Ventilkörper aus Edelstahl kann die Korrosionsbeständigkeit verbessern, belegt aber nicht, dass Dichtungen oder Spulengehäuse für die Umgebung geeignet sind. Umgekehrt kann ein Messingventil für eine bestimmte Steueraufgabe mit sauberer Luft geeignet sein, jedoch nicht für eine aggressive äußere Atmosphäre oder ein aggressives Prozessmedium.

Der Wechsel von Dichtungswerkstoff, Steckverbinder, Kabelverschraubung, Spule, Handhilfsbetätigung oder Beschichtung kann dazu führen, dass die Baugruppe nicht mehr der bewerteten Konfiguration entspricht. Vor einem Austausch ist eine schriftliche Bestätigung des Herstellers einzuholen.

Für die funktionale Auswahl vergleichen Sie direktgesteuerte und vorgesteuerte Magnetventile. Vorgesteuerte Ventile können einen Mindestdifferenzdruck benötigen, der das sichere Prozessverhalten beeinflusst, selbst wenn die Ex-Kennzeichnung korrekt ist.

Wenn die Schaltzeit in die Prozessgefahrenanalyse eingeht, verwenden Sie den gesonderten Leitfaden zur Messung der Ansprechzeit pneumatischer Magnetventile. Die ATEX-Kennzeichnung bewertet die Eignung hinsichtlich Zündgefahren, nicht die Abschaltzeit des Prozesses.

Installationsanforderungen

IEC 60079-14:2024 ist der aktuelle Teil der Reihe IEC 60079 für Planung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen. IEC 60079-17:2023 behandelt Prüfung und Instandhaltung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen (IEC, abgerufen am 11. Juli 2026). Maßgeblich sind die vom Projekt und der zuständigen Rechtsordnung übernommenen Ausgaben.

Vor dem Einschalten:

  1. Typenschild mit dem Betriebsmittelverzeichnis für den explosionsgefährdeten Bereich abgleichen.
  2. Zone, Kategorie, EPL, Gruppe, Temperaturkennzeichnung und Umgebungstemperaturbereich bestätigen.
  3. Zertifikat, zugehörige Anlagen, Anleitung und besondere Bedingungen lesen.
  4. Zugelassene Kabelverschraubung, Gewindeeingriff, Kabeldurchmesser und Verschlussstopfen prüfen.
  5. Erdung und Potenzialausgleich entsprechend der zertifizierten Ausführung herstellen.
  6. Sicherstellen, dass Gehäusedichtungen und IP-relevante Merkmale unbeschädigt sind.
  7. Spulenspannung, Leistung, Einschaltdauer und Steuerausgang prüfen.
  8. Ventildruck, Medium, Durchflussrichtung und Vorsteueranforderungen bestätigen.
  9. Die Baugruppe gegen Stoß, Schwingungen, Wärme, Korrosion und unbefugtes Verstellen schützen.
  10. Eingebautes Modell, Kennnummer, Zertifikat, Einbauort und Prüfergebnis dokumentieren.

Es gibt keine EU-weit einheitliche Berufsbezeichnung „ATEX-zertifizierter Installateur“, die eine Kompetenzbeurteilung ersetzt. Setzen Sie Personal ein, das für Zündschutzart, Gerät, Installationsnorm, nationale Vorschriften und betriebliche Arbeitsanweisung fachkundig ist.

Es darf nicht angenommen werden, dass gewöhnliche Installationsrohrverschraubungen, Kabelverschraubungen, Reduzierstücke, Adapter oder Stopfen die Zündschutzart erhalten. Jede Einführungskomponente muss zum Gehäusezertifikat, zur Gewindeform, Kabelkonstruktion, Zone, Gruppe und zu den Temperaturbedingungen passen.

Gehört das Magnetventil zu einem sicherheitsbezogenen Pneumatikkreis, ist die funktionale Sicherheit getrennt zu bewerten. Der Leitfaden zur Integration von Sicherheitsentlüftungsventilen erläutert, weshalb Explosionsschutz und sicherheitstechnische Maschinenfunktion unterschiedliche Freigaben erfordern.

Prüfung, Instandhaltung und Reparatur

Die Richtlinie 1999/92/EG verlangt, dass das Explosionsschutzdokument erstellt und aktuell gehalten wird. IEC 60079-17:2023 stellt den technischen Rahmen für Prüfung und Instandhaltung bereit (EUR-Lex, abgerufen am 11. Juli 2026). Prüffristen müssen sich nach der konkreten Installation richten, nicht nach einem pauschalen Dreimonatsintervall.

Das Prüf- und Instandhaltungsprogramm ist aus Zündschutzart, Herstelleranweisungen, Umgebungsbeanspruchung, Korrosion, Staub, Feuchtigkeit, Schwingungen, Schalthäufigkeit, Zugänglichkeit, früheren Befunden, Ausfallfolgen, nationalen Anforderungen und Werksstandards abzuleiten.

Bei der Prüfung sind lesbare Kennzeichnungen, Gehäuseintegrität, Kabeleinführungen, Befestigungsmittel, Dichtungen, Potenzialausgleich, Korrosion, Temperaturbeanspruchung, unzulässige Änderungen und Ventilfunktion zu kontrollieren. Eine reine Funktionsprüfung erkennt weder beschädigte zünddurchschlagsichere Spalte noch eine ungeeignete Kabelverschraubung.

Reparaturen, die den Explosionsschutz beeinflussen, erfordern kontrollierte Verfahren und fachkundiges Personal. IEC 60079-19:2025 ist in der aktuellen IEC-Reihe für Reparatur, Überholung und Regenerierung enthalten. Eine Reparatur vor Ort darf ohne zugelassene Grundlage weder eine druckfeste Fuge, eine vergossene Spule, eine zertifizierte Wicklung, eine Klemmenanordnung noch ein anderes geschütztes Merkmal verändern.

Ist der exakt zertifizierte Ersatz nicht verfügbar, muss die Arbeit unterbrochen und neu bewertet werden. Ähnliche Spannung, Anschlussgröße oder äußere Form belegen keinen gleichwertigen Explosionsschutz.

Für die umgebende, nicht sicherheitsbezogene Pneumatikarchitektur lesen Sie, wie ein zuverlässiger modularer Ventilkreis aufgebaut wird. Gewöhnliche Ventilinselkomponenten dürfen dabei nicht automatisch als für den klassifizierten Bereich geeignet betrachtet werden.

Checkliste für die Anfrage eines ATEX-Magnetventils

Nach Angaben der Europäischen Kommission darf die CE-Kennzeichnung erst angebracht werden, nachdem die erforderlichen Produktprüfungen und das Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt wurden (Europäische Kommission, abgerufen am 11. Juli 2026). Verlangen Sie gelenkte Nachweise, bevor Sie ein Angebot annehmen.

Geben Sie Installationsland, Regelwerk, Zone, Kategorie, EPL, Gas- oder Staubgruppe, Temperaturanforderung, Umgebungs- und Prozesstemperaturen, äußere Einflüsse, Spannungsversorgung, Ventilfunktion, Anschlüsse, erforderlichen Durchfluss, Druckbereich, Prozessmedium, Sicherheitsstellung, Anforderungen an die Kabeleinführung und Dokumentationssprache an.

Fordern Sie Folgendes an:

  • Exakten Modellcode und vollständige Kennzeichnungsfolge
  • EU-Konformitätserklärung
  • Gegebenenfalls Zertifikat und zugehörige Anlagen
  • Aktuelle Installations- und Instandhaltungsanleitung
  • Besondere Bedingungen für die sichere Verwendung
  • Produktzeichnung und Abbildung des Typenschilds
  • Zulässiges Zubehör und zugelassene Ersatzteile
  • IECEx-Zertifikat, falls erforderlich
  • Schriftliche Bestätigung der chemischen Beständigkeit

Rechenwerkzeuge: keine. ATEX-Konformität, Zoneneinteilung, Zündrisiko und chemische Beständigkeit lassen sich nicht mit allgemeinen Pneumatikrechnern bestimmen.

Häufig gestellte Fragen

Ist ATEX dasselbe wie IECEx?

Nein. ATEX bezeichnet EU-Rechtsvorschriften für Produkte und Arbeitsstätten in explosionsgefährdeten Bereichen. IECEx ist ein internationales Konformitätsbewertungssystem auf Grundlage der IEC-Normen. Ein Projekt kann beide Nachweise verlangen; die Akzeptanz hängt jedoch davon ab, wo das Gerät auf dem Markt bereitgestellt und installiert wird.

Kann ein vorhandenes Standard-Magnetventil mit einer ATEX-Spule nachgerüstet werden?

Nicht automatisch. Die zertifizierte Produktgrenze kann nur eine bestimmte Spule, Ventilbaureihe, Steckverbindung, Kabelverschraubung und Montagemethode umfassen. Der Einbau einer Ex-Spule in ein beliebiges Ventil begründet keine ATEX-Konformität. Fordern Sie Herstellerunterlagen für die exakt fertiggestellte Konfiguration an.

Kann ein IIC-Ventil in einem IIA-Bereich eingesetzt werden?

Hinsichtlich der Gasgruppe stellt IIC höhere Anforderungen als IIB und IIA. Das Ventil muss dennoch zu Kategorie, EPL, Temperaturklasse, Umgebungstemperaturbereich, Zündschutzart, Prozessbedingungen, chemischer Beständigkeit und Zertifikatsbedingungen passen.

Wie oft muss ein ATEX-Magnetventil geprüft werden?

Verwenden Sie das anwendbare Prüfkonzept nach IEC 60079-17, die Herstelleranweisungen, die Umgebungsbeanspruchung, die Betriebsmittelhistorie, das Explosionsschutzdokument und die nationalen Anforderungen. Ein pauschales Intervall von drei oder sechs Monaten beziehungsweise einem Jahr lässt sich nicht für jede Installation sicher festlegen.

Macht die Schutzart IP66 ein Magnetventil explosionsgeschützt?

Nein. IP66 beschreibt den Schutz gegen Staubeintritt und starkes Strahlwasser gemäß der einschlägigen Gehäuseprüfung. Explosionsschutz erfordert die anwendbare Ex-Ausführung, Kennzeichnung, Konformitätsnachweise und sachgerechte Installation. Die IP-Schutzart kann die zertifizierte Konstruktion unterstützen, ersetzt sie aber nicht.

Fazit

Die Auswahl eines ATEX-Magnetventils für eine Chemieanlage ist eine dokumentengestützte Engineering-Aufgabe. Ausgangspunkt sind die Zoneneinteilung des Standorts und der explosionsfähige Stoff. Stimmen Sie Kategorie, EPL, Gruppe, Temperaturkennzeichnung, Zündschutzart, Umgebungstemperaturbereich und Installationsbedingungen aufeinander ab. Prüfen Sie anschließend das vollständige Modell und die Grenzen des Zertifikats.

Explosionsschutz ist nur eine Dimension der Abnahme. Das Ventil muss außerdem Prozessfunktion, Druck, Differenzdruck, Durchfluss, Sicherheitsstellung, Werkstoffverträglichkeit, Korrosionsbeanspruchung und Instandhaltungsstrategie erfüllen. Stimmen Kennzeichnung, Zertifikat, Angebot und geliefertes Typenschild überein, ist die Prüfung nachvollziehbar. Bei Abweichungen darf das Ventil nicht in Betrieb genommen werden.

Quellen