Leitfaden zu NAMUR-Magnetventilen für die Prozessautomatisierung

NAMUR-Magnetventile anhand von VDI/VDE-3845-Schnittstelle, 3/2- oder 5/2-Funktion, Durchfluss, Sicherheitsstellung, Spule, Ex-Zulassung und Antriebskompatibilität auswählen.

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Eric Zhou, Fachingenieur für Maschinenautomation, Bepto Pneumatik

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Eric Zhou

Fachingenieur für Maschinenautomation

Ich bin Eric, Fachingenieur für Maschinenautomation bei Bepto Pneumatik. Ich unterstütze die Prüfung von Pneumatik-Anforderungen, Komponentenanwendungen und technischen Details vor der Angebotserstellung.

Artikel des AutorsEric@bepto.com

Ein NAMUR-Magnetventil ist ein pneumatisches Wegeventil, das über eine genormte Schnittstelle direkt an einen kompatiblen Schwenkantrieb montiert wird. Durch diese Direktmontage können externe Steuerluftleitungen zwischen Ventil und Antrieb entfallen. Eine Stellungsrückmeldung, Diagnosefunktionen, funktionale Sicherheit oder eine Zulassung für explosionsgefährdete Bereiche sind damit jedoch nicht automatisch gegeben.

Diese Abgrenzung ist wichtig, weil Fachleute den Begriff „NAMUR“ häufig für drei unterschiedliche Sachverhalte verwenden: eine Zubehörschnittstelle an pneumatischen Antrieben, einen Zweidraht-Näherungssensorkreis und den Interessenverband der Prozessindustrie selbst. Diese Begriffe sind historisch miteinander verbunden, bezeichnen jedoch keine austauschbaren Spezifikationen.

Das Wichtigste in Kürze

  • VDI/VDE 3845 definiert Schnittstellen für Antriebszubehör.
  • NAMUR NE 19 ermöglicht die direkte Montage eines Magnetventils ohne Steuerluftleitungen, legt jedoch weder Diagnosefunktionen noch die Zulassung für explosionsgefährdete Bereiche fest.
  • Ein Ersatzventil darf erst freigegeben werden, wenn Schnittstelle, 3/2- oder 5/2-Funktion, Druck, Durchfluss, Spule, Abluftführung, Antriebsstellung, Umgebungsbedingungen und Zertifikat übereinstimmen.

Dieser Leitfaden behandelt pneumatische Magnetventile, die an Schwenkantrieben für Kugel-, Absperrklappen- und Kükenventile montiert werden. Einen allgemeinen Einstieg in den Ventilaufbau bietet der Beitrag darüber, wie pneumatische Magnetventile den Luftstrom steuern.

Was ist ein NAMUR-Magnetventil?

VDI/VDE 3845 Blatt 1 ist eine achtseitige Schnittstellennorm für pneumatische Stellventile und Zusatzgeräte, während NAMUR NE 19 die direkte Montage eines Magnetventils ohne externe Verrohrung beschreibt (VDI, 2010; NAMUR, 2017). Daraus entsteht eine kompakte pneumatische Verbindung zwischen Ventil und Antrieb.

Das Ventil leitet die Steuerluft in die Antriebskammern. Bei einem einfachwirkenden Antrieb mit Federrückstellung kann eine 3/2-Funktion eine Kammer mit Druck beaufschlagen und zur Federrückstellung entlüften. Bei einem doppeltwirkenden Antrieb schaltet eine 5/2-Funktion Druck und Abluft abwechselnd zwischen zwei Kammern um. Einige Produkte verwenden eine Wendeplatte, sodass ein Ventilgehäuse für beide Anordnungen eingesetzt werden kann. „NAMUR-Ventil“ bezeichnet daher die Montage- und Anschlussschnittstelle, nicht eine vollständige Leistungsklasse. Zwei äußerlich kompatible Ventile können sich dennoch bei Durchfluss, Druckbereich, Vorsteuerprinzip, Spulenleistung, Steckverbinder, Handhilfsbetätigung, Abluftbehandlung, Werkstoffen, Temperaturgrenze und Zulassungen unterscheiden.

Betrachten Sie die Schnittstelle als eine von mehreren Freigabestufen bei einer Ersatzbeschaffung. Eine genormte Schrauben- und Anschlussgeometrie kann Adapter überflüssig machen, ein elektrisch oder pneumatisch ungeeignetes Ventil dadurch aber nicht sicher machen. Die mechanische Passung ist notwendig, jedoch niemals die gesamte Spezifikation.

Abgrenzung der Schnittstellen nach NAMUR, VDI, IEC und ISO

ISO 5211:2026 umfasst 27 Seiten zu Verbindungen zwischen Schwenkantrieben und Industriearmaturen. IEC 60947-5-6 ist dagegen eine eigenständige, ebenfalls 27-seitige Norm für Zweidraht-Näherungssensoren und Schaltverstärker (ISO 5211, 2026; IEC 60947-5-6, 1999). Keine der beiden Normen definiert für sich allein eine vollständige NAMUR-Magnetventileinheit.

Prüfen Sie bei einem Prozessarmaturenpaket die folgenden Schnittstellenebenen:

EbeneHauptreferenzRegelungsgegenstandKein Nachweis für
Prozessarmatur zum AntriebISO 5211Flansch-, Mitnehmer- und Drehmoment-BezugsschnittstelleMagnetventilfunktion oder Spulenzulassung
Antrieb zu ZusatzgerätenVDI/VDE 3845Montageschnittstellen für Antriebszubehöruniverselle Diagnose oder Sicherheitsstellung
Direkte MagnetventilmontageNAMUR NE 19leitungsloses Montagekonzept und Anpassungelektrische Spannung, Durchfluss oder Ex-Zertifikat
StellungserfassungIEC 60947-5-6Schnittstelle zwischen Zweidraht-Näherungssensor und SchaltverstärkerNorm für Magnetspule oder Steckverbinder
ExplosionsschutzIEC-60079-Reihe, ATEX- oder IECEx-SystemZündschutz, Kennzeichnung und Installationsanforderungenpneumatische Funktion oder Antriebsdrehmoment

Der Ausdruck „NAMUR-Signal“ bezeichnet in der Regel den Näherungssensorkreis. Mit „NAMUR-Magnetventil“ ist meist die am Antrieb montierte pneumatische Schnittstelle gemeint. Eine Verwechslung kann zu einer Fehlbeschaffung führen: Der Sensoreingang ist korrekt spezifiziert, während Ventilspule, Strömungsweg oder Montageplatte nicht passen. Für eine vollständige automatisierte Armatur behandelt ISO 5115:2023 die Auslegung von Einheiten aus Schwenkarmatur, Antrieb und Montagesatz (ISO 5115, 2023). Diese Norm steht neben den Schnittstellennormen und ist ihnen nicht untergeordnet.

Wie verändert die direkte NAMUR-Montage den Pneumatikkreis?

Die Dokumentation zum Antriebspaket ASCO 551 von Emerson beschreibt die direkte NAMUR-Montage und die Umstellung von 3/2 auf 5/2 mithilfe einer Wendeplatte (Emerson ASCO 551, 2009). Daran zeigt sich der eigentliche Schnittstellenvorteil: Eine definierte Anschlussfläche kann externe Steuerluftleitungen und separate Verschraubungen ersetzen.

Die Direktmontage kann potenzielle Leckagestellen und die Zahl der Montageteile verringern. Außerdem verkürzt sie den Steuerluftweg zwischen Ventil und Antrieb. Voraussetzung dafür sind eine korrekte Abdichtung, saubere Montageflächen, fluchtende Anschlüsse, geeignete Befestigungselemente und die richtige Ausrichtung der Wendeplatte.

Die vereinfachten Luftwege lauten:

  • 3/2, federrückgestellt: Im bestromten Zustand versorgt die Druckluft eine Antriebskammer; beim Abschalten wird diese Kammer entlüftet, sodass die Feder den Antrieb in seine mechanische Sicherheitsstellung fährt.
  • 5/2, doppeltwirkend: Die Druckluft wird abwechselnd auf die beiden Antriebskammern geschaltet, während die jeweils gegenüberliegende Kammer entlüftet.
  • 5/3, doppeltwirkend: Je nach gewähltem Schieber kann die Mittelstellung Anschlüsse sperren, mit Druck beaufschlagen oder entlüften. Die Mittelstellung lässt sich nicht allein aus der Bezeichnung „NAMUR“ ableiten.

Vergleichen Sie vor der Installation die Anschlussfläche des Antriebs mit der Ventilzeichnung. Prüfen Sie Zentrierung, Schraubenabstand, Dichtungsart, Anschlussbelegung und ob eine Wendeplatte die 3/2- beziehungsweise 5/2-Funktion verändert. Eine verkehrt montierte Platte kann das pneumatische Verhalten ändern, obwohl alle Schrauben passen.

Die Anschlussfunktion muss zum Antrieb und zur geforderten Sicherheitsstellung passen; die Montagebezeichnung allein definiert den Pneumatikkreis nicht.

Welche Ventilfunktion erzeugt die geforderte Sicherheitsstellung?

Bürkert Typ 6519 ist mit 3/2-, 5/2- und 5/3-Funktionen erhältlich. Laut aktueller Produktdokumentation kann SIL 2 nur mit bestimmten monostabilen Funktionen und einer geeigneten Architektur des Sicherheitssystems erreicht werden (Bürkert Typ 6519, 2026). Die NAMUR-Montage allein erzeugt keine sichere Stellung.

Beginnen Sie beim Antrieb:

AntriebsausführungTypische VentilfunktionFestzulegendes Verhalten bei Spannungsausfall
Federrückgestellt, einfachwirkend3/2 monostabilFeder fährt nach Entlüftung der Steuerluft in die Offen- oder Geschlossenstellung
Doppeltwirkend5/2 monostabilfederrückgestellter Schieber wählt eine pneumatische Richtung
Doppeltwirkend, Befehl wird gehalten5/2 bistabilletzte Schieberstellung kann nach Abschalten der Spulenspannung erhalten bleiben
Doppeltwirkend, definierte Mittelstellung5/3mittlere Anschlüsse sperren, entlüften oder beaufschlagen wie festgelegt

„Sicher geschlossen“ ist eine Eigenschaft der vollständigen automatisierten Armatur. Einbaulage der Prozessarmatur, Federrichtung des Antriebs, Ventilschaltung, Verrohrung beziehungsweise Anschlussplatte und die im Fehlerfall verfügbare Druckluft beeinflussen gemeinsam das Ergebnis. Die Angabe „stromlos geschlossen“ für eine Magnetspule bedeutet nicht automatisch, dass die Prozessarmatur sicher schließt. Unterscheiden Sie zwischen einem elektrischen Ausfall und dem Ausfall der Druckluftversorgung. Eine federrückgestellte Einheit kann nach beiden Ereignissen häufig eine mechanische Stellung erreichen, sofern der Abluftweg frei bleibt. Ein doppeltwirkender Antrieb kann dagegen einen Druckluftspeicher, eine spezielle Pneumatikschaltung oder eine andere Sicherheitsmaßnahme benötigen. Prüfen Sie jeden Fehlerfall separat.

Einzelheiten zur Vorsteuerstufe finden Sie im Leitfaden zu vorgesteuerten Pneumatikventilen. Die unterschiedlichen Kraftpfade erläutert der Vergleich von direktwirkenden und vorgesteuerten Magnetventilen.

Was muss vor dem Austausch eines NAMUR-Ventils übereinstimmen?

Aktuelle Produktvarianten des Bürkert Typs 6519 umfassen beispielsweise Durchflüsse von 900 bis 1.800 l/min, Druckbereiche ab 2 oder 3 bar sowie Temperaturbereiche bis −30 °C beziehungsweise 80 °C (Bürkert Typ 6519, 2026). Dies sind artikelbezogene Werte und keine allgemeingültigen NAMUR-Grenzen.

Verwenden Sie eine Kompatibilitätscheckliste:

  1. Mechanische Schnittstelle: NAMUR-Anschlussfläche, Zentrierung, Schraubenbild, Wendeplatte und Dichtungsanordnung bestätigen.
  2. Pneumatische Funktion: 3/2-, 5/2- oder 5/3-Verhalten, Grundstellung, Schieberrückstellung und Antriebsart abgleichen.
  3. Druck: Mindeststeuerdruck, Höchstdruck und eine gegebenenfalls erforderliche externe Steuerluftversorgung prüfen.
  4. Durchfluss: Herstellerangaben bei vergleichbaren Bedingungen gegenüberstellen, nicht nur das Anschlussgewinde.
  5. Elektrik: Spannung, AC/DC, Toleranz, Leistung, Steckverbinder, Einschaltdauer, Schutzbeschaltung und Steuerausgang abgleichen.
  6. Abluft: Schalldämpfer, Drosselventile, Entlüftungsblöcke und eine gegebenenfalls erforderliche Verrohrung der Abluftanschlüsse dokumentieren.
  7. Umgebung: Temperatur, Gehäuseschutz, Korrosionsbeständigkeit, Reinigungsbeanspruchung und Druckluftqualität prüfen.
  8. Zulassungen: Zertifikat für die genaue Artikelnummer, Spule und vollständige Baugruppe bestätigen.

Der Leitfaden zur Kompatibilität von OEM-Ersatzmagnetventilen vertieft diese Prüfpunkte. Bei unklarem Durchfluss hilft der separate Leitfaden zur Ventildimensionierung mit dem Durchflusskoeffizienten Cv. Dieser Beitrag enthält keinen Rechner, weil die NAMUR-Kompatibilität in erster Linie eine Schnittstellen- und Konfigurationsentscheidung und keine einzelne Formel ist.

Gehen Sie nicht davon aus, dass eine übereinstimmende Spannung von 24 V DC genügt. Steckverbinderform, Spulenleistung, Polarität der Schutzbeschaltung, Einschaltverhalten, zulässige Spannungstoleranz und Parameter für explosionsgefährdete Bereiche können voneinander abweichen. Ein Steuerausgang, der eine Spule mit geringer Leistungsaufnahme schaltet, kann für eine andere Spule ungeeignet sein.

Bedeutet NAMUR-Konformität eine Ex-Zulassung?

Nach IEC 60947-5-6 darf ein Zweidraht-NAMUR-Näherungssensor nur dann in explosionsfähiger Atmosphäre eingesetzt werden, wenn er zusätzlich IEC 60079-11 erfüllt. IEC 60079-11:2023 selbst umfasst 209 Seiten mit Anforderungen an die Eigensicherheit (IEC 60947-5-6, 1999; IEC 60079-11, 2023). Ein Montageflansch ist kein Ex-Zertifikat.

Prüfen Sie die vollständige Kennzeichnung und das Zertifikat des ausgewählten Ventils einschließlich Spule. Bürkert führt beim Typ 6519 Standard-, Ex-mb-, Ex-eb-mb- und Ex-ia-Ausführungen. Das zeigt, dass die Zündschutzart eine wählbare Eigenschaft innerhalb einer Produktfamilie und keine automatische Folge der NAMUR-Montage ist (Datenblatt Bürkert Typ 6519, 2026).

Die Ex-Prüfung muss mindestens Folgendes abgleichen:

PrüfpunktZu dokumentierender Nachweis
BereichsklassifizierungZone oder Division und erforderliches Geräteschutzniveau
StoffGas- oder Staubgruppe
Thermische GrenzeTemperaturklasse, maximale Oberflächentemperatur und Umgebungstemperaturbereich
Zündschutzartgenaue Kennzeichnung Ex ia, Ex mb, Ex d oder eine andere Kennzeichnung
Eigenschaften des eigensicheren Stromkreiseselektrische Grenzwerte und Barrierenkompatibilität
InstallationAnforderungen an Kabelverschraubung, Steckverbinder, Erdung und Gehäuse
ZertifikatZertifikatsnummer und mit „X“ gekennzeichnete besondere Bedingungen

Eine IP-Schutzart beschreibt den Gehäuseschutz gegen Feststoffe und Wasser. Sie bedeutet nicht „explosionsgeschützt“. Nutzen Sie den speziellen Leitfaden zu ATEX-zertifizierten Magnetventilen für die Prüfung von Bereichsklassifizierung, Kennzeichnung und Zertifikaten.

Wo eignen sich NAMUR-Magnetventile am besten?

Die ASCO-551-Dokumentation von Emerson zeigt die direkte NAMUR-Antriebsmontage, während Bürkert den Typ 6519 sowohl mit NAMUR-Flansch als auch mit Gewindeanschlüssen anbietet (Emerson ASCO 551, 2009; Bürkert Typ 6519, 2026). Die Direktmontage ist vorteilhaft, wenn bei der Antriebseinheit weniger externe Steuerluftleitungen benötigt werden.

Typische Anwendungen sind Auf/Zu-Kugelventile, Absperrklappen und Kükenventile in der chemischen Verfahrenstechnik, Versorgungstechnik, Wasseraufbereitung, Schüttgutförderung und auf allgemeinen Prozess-Skids. Die Branchenbezeichnung allein bestimmt nicht die Ventilauswahl. Entscheidend sind Antriebsdrehmoment, Schalthäufigkeit, Umgebung, Prozessrisiko und das geforderte Verhalten im Fehlerfall. Eine Direktmontage ist weniger geeignet, wenn das Magnetventil mit Abstand zu Wärme, Vibrationen, intensiver Reinigung oder einer Ex-Bereichsgrenze installiert werden muss. Bei dicht aufgebauter Maschinenautomatisierung kann eine abgesetzte Ventilinsel Verdrahtung und Wartung vereinfachen. Eine Montage über Gewindeanschlüsse kann ebenfalls sinnvoller sein, wenn der Antrieb nicht über die erforderliche Anschlussfläche verfügt oder zwischen Ventil und Antrieb eine spezielle Pneumatikschaltung angeordnet ist.

Prüfen Sie, ob das Wartungspersonal nach der Montage Handhilfsbetätigung, Steckverbinder und Schalldämpfer erreichen kann. Eine kompakte Einheit, die sich weder inspizieren noch sicher absperren lässt, kann im Unterhalt teurer sein als ein etwas größerer Aufbau.

Welche Angaben gehören in eine Anfrage für ein NAMUR-Ventil?

ISO 5115:2023 beschreibt Auslegungsaspekte einer automatisierten Schwenkarmatur aus Prozessarmatur, Antrieb und Montagesatz (ISO 5115, 2023). Eine Anfrage für ein NAMUR-Ventil sollte diese Dokumentation um Vorsteuerventil, Spule, Abluftzubehör, Zertifikate und das geforderte Fehlerverhalten ergänzen.

Übermitteln Sie folgende Angaben:

AnfragefeldErforderliche Angaben
ProzessarmaturBauart, Nennweite, Normalstellung, geforderte Sicherheitsstellung
AntriebHersteller, Modell, einfach-/doppeltwirkend, Federrichtung, Drehmomentdaten
NAMUR-SchnittstelleZeichnung, Anschlussbild, Dichtung und Angaben zur Wendeplatte
Pneumatikschaltung3/2, 5/2 oder 5/3, monostabil/bistabil, interne/externe Steuerluft
DruckluftversorgungDruckbereich, Luftqualität, erwarteter Durchfluss und Schalthäufigkeit
ElektrikSpannung, AC/DC, Leistungsgrenze, Steckverbinder, Schutzbeschaltung, Steuerausgang
UmgebungTemperatur, Eindringschutz, Korrosion, Vibration, Außenaufstellung
Explosionsgefährdeter BereichZone/Division, Gruppe, Temperaturklasse, Zündschutzart, Zertifikat
AbnahmeprüfungVerhalten beim Ein- und Ausschalten, bei Druckluftausfall und bei Handbetätigung

Fügen Sie Fotos des vorhandenen Typenschilds und der Anschlussfläche sowie den Schaltplan bei. Ändert das Ersatzteil Funktion, Spule, Zulassung oder Fehlerverhalten, ist der Austausch als technische Änderung und nicht als bloßer Instandhaltungsersatz zu behandeln.

Wenn das alte Typenschild oder die Schnittstellenzeichnung unvollständig ist, senden Sie die verfügbaren Fotos und Betriebsbedingungen über die technische Kontaktseite. Prüfen Sie die Identität des Lieferanten und den Supportweg auf der Unternehmensseite, bevor Sie einen nicht dokumentierten Ersatz für eine prozessleittechnische Einheit akzeptieren.

Fazit

VDI/VDE 3845 ist eine achtseitige Schnittstellennorm. Dennoch umfassen aktuelle Produktfamilien wie Bürkert Typ 6519 weiterhin 3/2-, 5/2- und 5/3-Funktionen, unterschiedliche Durchflüsse und mehrere Ex-Ausführungen (VDI, 2010; Bürkert, 2026). Eine genormte Montage grenzt die Kompatibilitätsprüfung ein, ersetzt sie aber nicht.

Legen Sie zuerst die Antriebsstellung fest, anschließend Pneumatikfunktion, Druck und Durchfluss. Gleichen Sie danach Spule, Steckverbinder, Abluftweg, Umgebung und die genauen Zulassungen ab. Prüfen Sie abschließend den Ausfall der elektrischen Energie und der Druckluftversorgung getrennt. So wird aus der vagen Katalogaussage „NAMUR-kompatibel“ eine dokumentierte Entscheidung für die Prozessautomatisierung.

Häufig gestellte Fragen zu NAMUR-Magnetventilen

NAMUR NE 19 beschreibt eine direkte Schnittstelle zwischen Magnetventil und Antrieb ohne externe Verrohrung. ISO 5211:2026 definiert dagegen separat die Verbindung zwischen Prozessarmatur und Antrieb (NAMUR, 2017; ISO 5211, 2026). Diese Schnittstellen lösen unterschiedliche mechanische Verbindungen und müssen beim Austausch getrennt geprüft werden.

Passt jedes NAMUR-Magnetventil auf jeden pneumatischen Antrieb?

Nein. Antrieb und Ventil müssen bei Anschlussgeometrie, Befestigungsbohrungen, Dichtungen und Plattenausrichtung kompatibel sein. Anschließend sind 3/2-, 5/2- oder 5/3-Funktion, Druck, Durchfluss, Spule und Abluftanordnung abzugleichen. Die genormte Montage verbessert die Austauschbarkeit, doch Zeichnung und Schaltplan bleiben Bestandteil der Freigabe.

Enthält ein NAMUR-Ventil eine Stellungsrückmeldung?

Nicht automatisch. VDI/VDE 3845 behandelt Schnittstellen für verschiedene Antriebszubehörteile, während IEC 60947-5-6 einen eigenständigen Zweidraht-Näherungssensorkreis definiert. Ein Magnetventil kann ohne Stellungsmelder über die NAMUR-Schnittstelle montiert werden. Falls eine Rückmeldung erforderlich ist, müssen Endschalterbox, Stellungsregler oder Sensorpaket separat spezifiziert werden.

Wird ein 3/2- oder 5/2-NAMUR-Ventil benötigt?

Ein federrückgestellter Antrieb verwendet üblicherweise ein 3/2-Ventil, weil eine Kammer mit Druck beaufschlagt und entlüftet wird. Ein doppeltwirkender Antrieb wird meist mit 5/2 gesteuert, weil der Druck zwischen zwei Kammern wechselt. Einige Produkte lassen sich mit einer Platte zwischen beiden Funktionen umrüsten. Prüfen Sie vor der Auswahl die Antriebszeichnung und die geforderte Sicherheitsstellung.

Macht die NAMUR-Montage ein Ventil automatisch ausfallsicher?

Nein. Laut Bürkert kann SIL 2 nur mit bestimmten monostabilen Funktionen des Typs 6519 und einer geeigneten Architektur des Sicherheitssystems erreicht werden. Die Sicherheitsstellung des Prozesses hängt von Ventilfunktion, Antriebsfedern, Einbaulage, verfügbarer Druckluft, Abluftweg und Sicherheitslogik ab. Prüfen Sie Spannungs- und Druckluftausfall als getrennte Fehlerfälle.

Kann ein NAMUR-Ventil in explosionsfähiger Atmosphäre eingesetzt werden?

Nur wenn das genaue Ventil, die Spule und die Installation über die erforderliche Zulassung verfügen. IEC 60079-11:2023 regelt eigensichere Geräte; Hersteller können Ausführungen mit Ex ia, Ex mb, Ex d oder anderen Zündschutzarten anbieten. Gleichen Sie Zertifikat, Zone oder Division, Gruppe, Temperaturklasse, Umgebungstemperaturbereich und Installationsbedingungen ab.

Quellen

VDI. VDI/VDE 3845 Blatt 1, Schnittstellen von Stellgeräten und Zusatzgeräten. Anwendungsbereich, Veröffentlichungsdatum und Dokumentumfang. Abgerufen am 11.07.2026.

NAMUR. Mitteilung zur Überarbeitung von NE 19. Direkte Montage eines Magnetventils an einen pneumatischen Antrieb ohne Verrohrung. Abgerufen am 11.07.2026.

ISO. ISO 5211:2026, Industriearmaturen – Anschlüsse für Schwenkantriebe und ISO 5115:2023, Industriearmaturen – Betätigung von Schwenkarmaturen. Anwendungsbereiche der Schnittstellen und automatisierten Armaturenpakete. Abgerufen am 11.07.2026.

IEC. IEC 60947-5-6:1999 und IEC 60079-11:2023. NAMUR-Näherungssensorschnittstelle und Anforderungen an die Eigensicherheit. Abgerufen am 11.07.2026.

Bürkert. Produktseite Typ 6519 und Datenblatt Typ 6519 von 2026. Funktionen, NAMUR-Flansch, Durchfluss, Druck, Temperatur, Ex-Ausführungen und bedingte SIL-2-Angabe. Abgerufen am 11.07.2026.

Emerson. EL-O-MATIC-Antriebe mit Magnetventilen der ASCO-Baureihe 551. Direkte NAMUR-Montage, Abluftanordnung und Umstellung von 3/2 auf 5/2. Abgerufen am 11.07.2026.

AutomationDirect. Pneumatische Ventilanschlüsse und Schaltwege verstehen. Videohintergrund zu den Anschlussfunktionen 3/2, 5/2 und 5/3 bei der Prüfung von NAMUR-Schaltungen. Abgerufen am 11.07.2026.